Dr. Georg Döhmen in einem Fernseh-Interview
zum Thema: Kinderwunsch und Fruchtbarkeit
ZDF 26. Juli 2000





Was sind die häufigsten Ursachen für Kinderlosigkeit,
die letztlich überhaupt das Thema "Künstliche Befruchtung" als Lösung
interessant machen?
Antwort:
Als Ursachen für den unerfüllten Kinderwunsch können
seelische Aspekte, Ursachen bei der Frau, beim Mann und bei beiden Partnern
gleichzeitig genannt werden.
Des Weiteren sind immunologische Ursachen und die unerklärbare, s.g. idiopathische
Sterilität von Bedeutung.
2. Frage:
Welche Kriterien müssen erfüllt sein, damit die künstliche
Befruchtung durchgeführt werden kann?
Antwort:
In Deutschland wird vom Gesetzgeber die Heirat als Voraussetzung
gefordert.
Bei der Frau sollte eine Rötelnimmunität vorliegen. Bei beiden Partnern
sollte eine HIV- und Hepatitis-Untersuchung vorher durchgeführt worden
sein.
Die "Künstliche Befruchtung" ist dann indiziert, wenn andere Maßnahmen
nicht zum Erfolg geführt haben oder keine Chance besteht, dass diese zum
Erfolg führen.
3. Frage:
An wen kann man sich wenden, gibt es spezielle Zentren?
Antwort:
Hier sind zu nennen der "Berufsverband der Reproduktionsmedizinischen
Zentren" (BRZ), des Weiteren die Eigeninitiative der Paare mit unerfülltem
Kinderwunsch
"Wunschkind e.V.".
Im Internet können Informationen über die
einzelnen, speziellen Zentren in der gewünschten Stadt eingeholt werden.
4. Frage:
Mit welchen Risiken ist bei der "Künstlichen Befruchtung" zu
rechnen?
Antwort:
Die höhergradige Mehrlingsgravidität, insbesondere die Drillingsschwangerschaft
sollte vermieden werden. Deshalb gilt die Empfehlung, Frauen mit einem Alter
unter 35 Jahren, nur 2 Embryonen zu übertragen.
Im Rahmen der Stimulation kann eine Überstimulation auftreten, im Form
eines s.g. Überstimulationssyndroms, mit dem Extremfall von Wasseransammlung
in Bauch und Lunge. Zur Vermeidung dieser ernsthaften Komplikation, muß eine
engmaschige Kontrolle in Form von Ultraschalluntersuchungen und Blutabnahmen
erfolgen.
Hiermit können vom erfahrenen Untersucher, Anfangszeichen dieser Komplikation
frühzeitig erkannt und entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden.
5. Frage:
Besteht das erhöhte Risiko von Fehlbildungen?
Anwort:
Bei der In vitro Fertilisation, die schon seit 1977 angewendet wird,
besteht kein Risiko von erhöhten Fehlbildungen.
Auch bei der intracytoplasmatischen Spermieninjektion (ICSI), die erst seit
einigen Jahren angewendet wird, ist nach dem heutigen Kenntnisstand kein Hinweis
für das Auftreten von vermehrten Fehlbildungen gegeben.
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