25.01.2008
Das Deutsche IVF-Register - weltweit anerkannt
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen!
Seit 25 Jahren wird in Deutschland mit höchster Qualität und internationaler Anerkennung
eine freiwillige Statistik über die assistierte Reproduktion geführt
- das Deutsche IVF-Register(DIR). Professor Felberbaum und seinen Mitstreitern gebührt
die Anerkennung für den Aufbau und die langjährige Organisation dieser für uns alle so
wichtigen Datensammlung.
1982 wurden von damals fünf Zentren 742 IVF-Zyklen durchgeführt. Im Jahr 2006 liegen dem
DIR Daten zu 61.581 Behandlungszyklen aus 121 Zentren vor. Auf Grund der Änderung des
Gesundheitsmodernisierungsgesetzes (GMG) liegt diese Zahl deutlich unter derjenigen aus
dem Jahr 2003. So wurden im Vergleich zu den Zahlen vor dem GMG im Jahr 2006 64% weniger
IVF-Zyklen und 27% weniger ICSI-Zyklen in Deutschland durchgeführt. Jährlich werden deshalb
mehr als 10.000 Kinder weniger geboren.
Die von der Politik vorgegebenen Beschränkungen in der Therapie von Fruchtbarkeitsstörungen
führten auch zum drastischen Anstieg des Durchschnittsalters der behandelten Paare: Im
Vergleich zu 2003 sind beide Partner heute durchschnittlich um 1,5 Jahre älter. Dies wirkt
sich in den Schwangerschaftesraten aus. Frauen bis 35 Jahre haben im haben im IVF-Verfahren e
eine Chance von 42% pro Embryo-Transfer, im ICSI-Verfahren von 39%. Sind die Frauen 36 Jahre
und älter, so sinken diese Raten auf 23% und 20%. Bei den zunehmend älteren Patientinnen kommen
zudem die restriktiven Bestimmungen des Embryonenschutzgesetzes zum Tragen. So ist in dieser
Altersgruppe in steigendem Maße ein "Fertilitäts-Tourismus" in Nachbarländer zu beobachten,
der sogar von einigen gesetzlichen Krankenkassen gefördert wird.
Es ist deshalb das Anliegen der DGGG und der ihr angeschlossenen Gruppierungen, das
Embryonenschutzgesetz internationalen Gegebenheiten anzupassen und für alle Beteiligten
Rechtssicherheit zu schaffen.
Seit 1997 erfolgt die weltweit vorbildliche Datenerhebung elektronisch. Mehr als 90% der
Punktionszyklen werden prospektiv erfasst. Seit 1997 sind dem DIR 105.000 geborene Kinder
gemeldet. Dies entspricht der Einwohnerzahl einer Stadt wie Jena oder Hildesheim. In dieser
Zeit ist es durch das aufklärende Wirken des DIR gelungen, den Anteil der geborenen Drillings-
kinder an der Gesamtzahl der nach extrakorporaler Fertilisation geborenen Kinder um mehr als
75% zu reduzieren. Gerade hierin drückt sich das verantwortliche Verhalten von Patienten,
niedergelassenen Kollegen und Reproduktionsmedizinern aus.
Mit dem Deutschen IVF-Register haben sich die reproduktionsmedizinisch tätigen Frauenärzte
gemeinsam mit dem Reproduktionsbiologen sowie allen beteiligten Gesellschaften aus eigener
Initiative und ohne politischen oder gestzgeberischen Druck schon seit einem Vierteljahr-
hundert ein valides Instrument der Qualitätssicherung geschaffen, dasheute für viele Bereiche
der Medizin Vorbild ist. Die dadurch gegebene Offenheit und Transparenz trägt in hohem Maße
zu gesellschaftlichen Akzeptanz dieser Behandlungsmöglichkeit bei. Die von uns Frauenärzten
praktizierte Reproduktionsmedizin stellt heute einen integralen, nicht mehr fortzudenkenden
Bestandteil in der Therapie bei Fertilitätsstörungen von Frau und Mann dar.
Mit freundlichen, kollegialen Grüßen
Prof. Dr. Walter Jonat
Dr. Klaus Bühler
FRAUENARZT 49 (2008)
Der FRAUENARZT in Kooperation mit Publimed Medizin und Medien GmbH, München
