22.11.2004
Für jede 3. Frau reicht eine IVF-Therapie aus
HANNOVER (grue). In den deutschen Zentren für In-vitro-Fertilisation(IVF) wurden im vergangenen Jahr 107 675 Kinderwunsch-Behandlungen bei
insgesamt 63 111 Frauen vorgenommen - soviel wie nie zuvor. Wegen der
neu eingeführten finanziellen Eigenbeteiligung rechnen die IVF-Zentren
in diesem Jahr mit einem deutlichen Rückgang der Behandlungszahlen.
Im Deutschen IVF-Register (DIR) werden alle Maßnahmen zur künstlichen
Befruchtung durch IVF, ICSI (intrazytoplasmatische Spermieninjektion)
oder Kryokonservierung prospektiv erfaßt und einmal jährlich
ausgewertet. Die Ergebnisse aus dem Jahr 2003 hat Professor Ricardo
Felberbaum aus Lübeck jetzt beim Jahrestreffen der IVF-Zentren in
Hannover vorgestellt.
Aus den von 116 Zentren dokumentierten Behandlungszyklen errechnet sich
eine Schwangerschaftsrate von 28 Prozent pro Embryonentransfer nach IVF
oder ICSI. "Unter Berücksichtigung der restriktiven Vorgaben des
deutschen Embryonenschutzgesetzes ist das ein sehr gutes Ergebnis",
sagte Felberbaum. Nach Kryokonservierung von Keimzellen war die
Schwangerschaftsrate mit 16 Prozent jedoch relativ niedrig.
Im Mittel werden zwei Embryonen übertragen.
Die Zahl der übertragenen Embryonen pro Zyklus lag im Mittel bei 2,17.
"Das ist erfreulich niedrig", so Felberbaum. Werden, wie vom
Gesetzgeber erlaubt, bis zu drei Embryonen eingepflanzt, steigt das
Risiko für Mehrlingsgeburten. So gab es 2003 fünf Vierlingsgeburten
nach Übertragung von jeweils drei Embryonen und eine Vierlingsgeburt
nach Transfer von zwei Embryonen. Wurde dagegen nur ein Embryo in die
Gebärmutter gegeben, entwickelte sich daraus zu 98 Prozent auch nur ein
Kind.
Vor allem bei jüngeren Frauen ließ sich durch die Übertragung von drei
statt zwei Embryonen die Schwangerschaftsrate nicht steigern, so
Felberbaum. Für Mutter und Kind sei es sogar am besten, wenn nur ein
Embryo eingepflanzt werde. Allerdings sei die Chance, daraufhin
schwanger zu werden, mit durchschnittlich 13 Prozent recht gering.
Als Ausweg biete sich der elektive Single-Embryotransfer an, sagte
Felberbaum. Dabei wird unter mehreren Embryonen der lebensfähigste für
den Transfer ausgewählt. Ein solches Vorgehen ist aber in Deutschland
verboten. Felberbaum geht davon aus, daß sich immer weniger Paare für
eine mehrmalige IVF oder ICSI entscheiden. Pro Zyklus betrage der
Eigenanteil an den Kosten mittlerweile mindestens 1500 Euro. Verglichen
mit dem Vorjahr wurden dem DIR bisher nur etwa halb so viele
Behandlungen gemeldet
