03.03.2006
„Ötzi“ möglicherweise unfruchtbar
Zwar hatten Wissenschaftler in den vergangenen Jahren mehrfach das Erbgut des Gletschermanns „unter die Lupe“ genommen – allerdings mit eher mäßigem Erfolg: Es war so sehr mit moderner DNA verunreinigt, dass sich die originale Ötzi-DNA nicht herausfiltern ließ.Franco Rollo löste dieses Problem, indem er Gewebeproben aus dem Verdauungstrakt der Mumie gewann und so die Ergebnisse früherer Analysen endlich bestätigen konnte. Besonders präzise war offenbar die Untersuchung der mitochondralen DNA. Dabei entdeckte Franco Rollo zwei Mutationen, die in der Regel bei Männern mit eingeschränkter Spermienmotilität, also Spermienbeweglichkeit, vorliegen. Dies deutet darauf hin, dass Ötzi keine Nachkommen zeugen konnte.
Die frühgeschichtliche Forschung nimmt an, dass zu Lebzeiten des Gletschermanns eine reiche Kinderschar zu höherem sozialen Ansehen beitrug. Denn viele Nachkommen halfen dabei, das Überleben des Clans zu sichern und verschafften Macht und Einfluss. So stützt dieser „Zufallstreffer“ möglicherweise die These vom geringen sozialen Status „Ötzis“ bei seinen Zeitgenossen. Allerdings schränkt Franco Rollo ein, ein eindeutiger Beleg für „Ötzis“ Unfruchtbarkeit sei dies noch nicht. Und so gehen die Spekulationen weiter.
Ein Nürnberger Ehepaar hatte die frühgeschichtlichen menschlichen Überreste im September 1991 auf dem Similaun-Gletscher im Ötztal gefunden. Sie werden derzeit in einem Museum in Bozen aufbewahrt.
Quelle: Serono GmbH
