26.04.2006
Hodenhochstand: Frühe Therapie verhindert Unfruchtbarkeit
Die Behandlung von Hodenhochstand sollte bis zur Vollendung des zweiten Lebensjahres abgeschlossen sein. Nur so kann einer späteren Unfruchtbarkeit vorgebeugt werden. Trotzdem erfolgt die Therapie bei vielen betroffenen Jungen bislang weitaus später.Wie die Ärzte Zeitung berichtet, haben Untersuchungen gezeigt, dass bei über der Hälfte der nicht behandelten Klein- oder Schulkinder mit Hodenhochstand die Ursamenzellen (Spermatogonien) entweder stark dezimiert oder überhaupt nicht mehr nachweisbar waren. Aus diesem Grund sollte die Behandlung des Hodenhochstands entsprechend früh erfolgen. Das gilt für die medikamentöse wie für die chirurgische Therapie gleichermaßen.
Der Hodenhochstand ist die häufigste angeborene Fehlbildung der Harn- und Geschlechtsorgane. Bei bis zu fünf Prozent der neugeborenen Jungen befindet sich mindestens ein Hoden nicht im Hodensack. Bei Vorliegen eines Hodenhochstandes ist in der Regel eine Operation angezeigt. Lediglich bei so genannten Gleithoden, also Hoden, die sich manuell vom Leistenkanal in den Hodensack ziehen lassen, aber nach dem Loslassen wieder zurückrutschen, oder bei ständiger Fehllage des Hodens im Leistenkanal (weiter von der Körpermitte entfernt, das heißt distal, liegende Leistenhoden), ist ein medikamentöser Therapieversuch angebracht. Allerdings kann es hier zu Rückfällen kommen: Bei jedem fünften Patienten tritt der Hodenhochstand nach abklingender Hormonstimulation erneut auf.
Bereits nach dem ersten Lebensjahr lassen sich bei Jungen mit Hodenhochstand Schäden am Hodengewebe mit Folgen für die Bildung von Samenzellen nachweisen. Das liegt an der engen Lage und der überhöhten Temperatur. Das Risiko der Betroffenen, später an Hodenkrebs zu erkranken, ist 36-fach erhöht. Daher ist ein Abschluss der Therapie bis zum zweiten Lebensjahr sinnvoll. Doch die Realität sieht anders aus. Bis 2004 wurden einer Erhebung des Universitätsklinikums Göttingen zufolge nur 13 Prozent der Jungen zeitgerecht operiert, 46 Prozent im Alter von zwei bis vier Jahren und 40 Prozent sogar erst nach dem fünften Geburtstag.
